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Warum der Gärtner sich als Bock erweist

Den Bock zum Gärtner machen – das geflügelte Sprichwort ließe sich gegenwärtig auf das Kirchenchristentum – bislang vor allem katholischer Prägung – anwenden. Dutzende priesterliche Hände, die angeblich beim Ritual den Teufel fernhalten sollen erweisen sich als teuflisch gelenkt oder besser ungelenkt. Denn nicht der Teufel sorgt für Missbrauch im Kloster-Internat.

Der Mensch als Mann des Dogmas?

Eigentliche Ursache ist ein zum pseudo-wissenschaftlichen Dogma erhobenes unnatürliches Weltbild, in dem Sexualität dämonisch verklärt und Askese als gewaltsame Selbsterniedrigung verstanden wird. Triebe werden also per Dekret mit Gewalt gedeckelt. Die Natur unnatürlich zu beugen muss dann auf natürliche Weise Unnatürliches hervorbringen.

Religiöse „Gärtner“ als rücksichtslose geile Böcke

Doch mit dem Finger auf katholische Mönche oder Reform-Pädagogen (aktueller Verdacht: Odenwaldschule in Hessen) zu zeigen besteht kein Grund. Zwar eint offenbar die katholische und evangelische Kirche beim Missbrauch Schutzbefohlener eine Art „ökumenischer Geist.“ Doch auch andere Traditionen kennen das Problem. In Israel wurde vor einiger Zeit der Missbrauch von Talmudschülern durch einen als ehrenwert geltenden orthodoxen Geistlichen bekannt. Islam treibt es gleich der Religionsstifter mit minderjährigen Mädchen. Dann müssen es doch deren Anhänger geradezu richtig finden, wenn auch heute noch 80-jährige Männer in des Gründers Namen 12-jährige Mädchen ehelichen. Und in esoterischen Zirkeln aller Art kommen sowieso immer wieder mal Missbräuche ans Tageslicht.

Warum erweisen sich wiederholt religiöse „Gärtner“ als rücksichtslose geile Böcke? Bei katholischen Mönchen mag das Askese-Dogma, die Ablehnung der natürlichen Sexualität zwischen Mann und Frau, auf unreife junge Männer mit verdeckten homosexuellen Neigungen eine Anziehungskraft ausüben. Wenn heute ehemalige Schüler aus E**** in der Süddeutschen Zeitung einstige Lehrer als Sadisten und Psychopathen beschreiben, dann erinnert das fatalerweise an Berichte über die Inquisition im Mittelalter. Offenbar sind vor allem dogmatische Religionssysteme anfällig.

Erkenntnis und Erleuchtung lassen sich
nicht mit Kasteiung erreichen

Aus gutem Grund sind bisher aus buddhistischen Gruppen keine Verdachtsfälle von Missbrauch bekannt geworden. Buddha hat überzogene Askese streng abgelehnt. Erkenntnis und Erleuchtung lassen sich nicht mit Kasteiung erreichen. Im Gegenteil – solche Praktiken ziehen nur astrale Wesenheiten an die den Asketen zu noch mehr zerstörerischer Lust anstacheln. Keusche Lebensweise wird nur dem empfohlen, der zuvor in einem längeren Prozess das Illusorische der Sinne erkannt hat. Sexualität hat hierbei keine herausragende Stellung. Fresssucht etwa ist nicht minder kontraproduktiv für den spirituellen Fortschritt.

Im Buddhismus braucht es auch keine engen Verbote die eine korrupte Priesterschaft überwachen könnte – oder eben nicht. Zwei Gebote sorgen praktisch angewandt vor: (1) Fühlenden Wesen niemals Leid zufügen, denn (2) kommt nach dem Karmagesetz jede Untat auf einen selbst zurück. Das mag den einzelnen Übeltäter auch nicht immer vom Missbrauch abhalten. Doch wenigstens liefert der Buddhismus keinen Nährboden für Untaten dieser Art.

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Diesen Beitrag drucken Diesen Beitrag drucken | Zuletzt aktualisiert: 12.07.2011, 12:19 Uhr


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