Apr 13 2008
Nikolaus von Kues im TV: Es ist etwas Großes, sich fest zu gründen in der Verbindung der Gegensätze
Was wie ein Zen-Kōan klingt, ist eine Maxime des Philosophen, Kirchenpolitikers und Theologen Nikolaus von Kues (1401 - 1464). Das ZDF hat dem Kardinal Cusanus, so dessen Kirchenname, eine Dokumentation gewidmet, die von Martina Schönfeld und Klaus Medrow stilsicher in Töne und Bilder umgesetzt wurde.
Wohin ich auch gehe, DEINE Augen sind stets über mir. Grafik: ZDF.de-ZDFdokukanal
Cusanus zählt zu den wenigen Kirchenmännern der Geschichte, die Religion vor allem als Ideal betrachteten und es als solches umzusetzen suchten. Konkret bedeutete das eine keusche Lebensführung, strikte Einhaltung der Gebote, häufiges Fasten und ein Streben nach Erkenntnis. Doch im späten Mittelalter war die Kirche längst zu einem machtpolitischen Apparat geworden - IN und VON der Welt. Idealisten wie Cusanus wurden verspottet, angefeindet oder gar verfolgt.
Die Nachwelt hat von Cusanus die unterschiedlichsten Bilder entworfen. Sie sucht in ihm den Denker, der seiner Zeit voraus war, den Reformator vor der Reformation, den Gelehrten, der die Horizonte durchbrach. Die Nachwelt brachte in Einklang, was Cusanus zu Lebzeiten nicht gelingen sollte.
Treffender ließe sich eine Dokumentation über die historische Persönlichkeit von Kues nicht auf den Punkt bringen. Cusanus musste mit seinen Reformen scheitern. Als Bischof von Brixen wurde er am Ende sogar mit dem Tode bedroht. Obwohl er als persönlicher Freund von Papstes Pius II. von diesem kurzzeitig sogar als sein Stellvertreter berufen wurde, konnte Cusanus im Schoße seiner Kirche keinen inneren Frieden finden. Der Film deutet an, dass Cusanus am Ende seiner Tage grundsätzliche Zweifel am Prinzip Kirche gekommen sein mögen. Wenn er etwa seinem Freund, Gönner und Vorgesetzten, dem Papst, vorwirft, auch er würde die Ideale von Kirche und Glauben nicht ernst nehmen.
Religiösen Glauben mit Philosophie,
Vernunft und Selbsterkenntnis vereinbaren
Du, Herr, bist mein Weggefährte. Wohin ich auch gehe, DEINE Augen sind stets über mir.
Höhepunkt des Filmes ist die knappe aber wirksame Inszenierung einer Anweisung, die Cusanus Mönchen am Tegernsee übermittelte. Ein Jesusbild, so gezeichnet, dass es den Betrachter stets direkt anschaut - egal von welcher Richtung dieser sich dem Bild zuwendet - soll den Mönchen das Mysterium der Allgegenwart Gottes deutlich machen. Leider ist das der einzige mehr ins Detail gehende Hinweis des Filmes auf den Mystiker Cusanus. Andererseits bleibt der Film so frei von esoterischen Spekulationen und weltanschaulichen Dispositionen. Mit Lehrsätzen wie…
Es ist etwas Großes - sich fest zu gründen in der Verbindung der Gegensätze.
Cusanus. Foto: privat
zog Cusanus auch den Argwohn der Inquisition auf sich. Religiösen Glauben mit Philosophie, Vernunft und Selbsterkenntnis zu vereinbaren war damals ein gefährliches Unterfangen. Doch Cusanus hatte Glück. Werke wie DREI STREITSCHRIFTEN VOM VERBORGENEN GOTT oder DER LAIE ÜBER DIE WISSENSCHAFT, im Geiste des Neoplatonismus verfasst, bleiben für ihn folgenlos.
Wenn der Film auf die unterschiedlichen Bilder hinweist, die man Cusanus zugeordnet hat, mag man ein weiteres anhängen: Cusanus als Bodhisattva. Eine Seele, die in einer dunklen Zeit inkarnierte. Ihr Auftrag: Das Lichtlein spiritueller Werte am Brennen zu halten, das im materialistischen Gebläse eines dumpfen Kirchendogmas und einer aggressiven Machtpolitik zu flackern begonnen hatte. (Ko-Sen)
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| Zuletzt aktualisiert: 13.04.2008, 22:11 Uhr
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Es liegt ein privater DVD-Mitschnitt der Sendung vor. Es wird gerade juristisch geprüft, ob und wie weit ein solcher Mitschnitt Dritten zum Selbstkostenpreis angeboten werden darf.
Privatmitschnitte sind grundsätzlich erlaubt. Wer Interesse an dem Film hat, melde sich bei der Redaktion. So der Rat der Rechtsanwältin :-)
Oder DO IT YOURSELF: ZDF-Dokukanal - Donnerstag, 17. April, 17.15 Uhr: DER KARDINAL